tota-a.gif (2314 Byte) Gästebuch

sumhorsa.gif (636 Byte)

Die Normannen
William II.
1087 - 1100

 
Crown

illiam, der dritte Sohn von William dem Eroberer und Matilda, wurde um 1057 geboren. Von seiner Jugend ist fast nichts bekannt, außer daß die Zeit, die er im Haushalt von Erzbischof Lanfranc verbrachte, wenig Eindruck bei ihm hinterließ. Er war seinem Vater sehr zugetan, und während Robert rebellierte, schwankte William nie in seiner Loyalität. Als der zweite Sohn, Richard, bei einem Jagdunfall im New Forest ums Leben kam, schien es möglich, daß William Roberts Platz als Haupterbe einnehmen könnte. Außerdem war William am Bett des sterbenden Königs, um dessen letzte Wünsche zu vernehmen, während Robert am Hof von seines Vaters Feind, Philipp von Frankreich, verweilte. Aber die Tradition, nach der das Land der Ahnen, das väterliche Erbe, dem erstgeborenen Sohn zufiel, erwies sich als zu stark. Robert trat die Nachfolge in der Normandie an. William jedoch gab der alte König sein neu erobertes Land, England. Den Anweisungen im Testament des alten Königs folgend, krönte Lanfranc William am 26. September 1087 in Westminster. Wie sein Vater war William eher stämmig. Er hatte helles Haar, stechende Augen, ein rotes Gesicht (das ihm den Spitznamen Rufus eintrug) und neigte zum Stottern, wenn er aufgeregt war.

Die Aufteilung der Länder des Eroberers schuf politische Probleme. Viele normannische Adelige besaßen Ländereien auf beiden Seiten des Kanals. Ihr Dilemma wurde von dem größten unter ihnen, dem Onkel des neuen Königs, Odo von Bayeux, auf den Punkt gebracht: "Wie können wir zwei sich feindlich gesinnten und sich fernen Herren ordentlich dienen? Wenn wir Herzog Robert gut dienen, beleidigen wir seinen Bruder William, und er wird uns unsere Einkünfte und Titel in England entziehen. Wenn wir andererseits König William gehorchen, wird uns Herzog Robert das Erbe unserer Väter in der Normandie wegnehmen." Bereits um 1088 war es offensichtlich, daß einige Barone, von Odo inspiriert, es vorgezogen hätten, Robert auf beiden Seiten des Meeres als ihren Herrn zu sehen. Aber Robert versäumte es, in England zu erscheinen; William dagegen handelte überlegt, und die Revolte brach bald in sich zusammen. Jetzt war der jüngere Bruder an der Reihe. 1089 erhob er Anspruch auf die Normandie. Englisches Silber ermöglichte es ihm, sich in der Normandie Unterstützung zu kaufen. Allmählich wurde Roberts Position immer schwieriger, so daß er froh war, sich 1096 an einem Kreuzzug beteiligen zu können, zu dem Papst Urban II. aufgerufen hatte. Um sich selbst und sein Gefolge für den langen Marsch auszurüsten, verpfändete er William die Normandie für 10.000 Mark.

Die Hauptaufgabe des neuen Herzogs bestand in der Zurückgewinnung Maines und des Vexin, die während Roberts Plünderherrschaft verloren gegangen waren. Um 1099 hatte er diese Aufgabe erfolgreich gelöst. Unterdessen hatte er 1095 eine von Robert Mowbray, dem Earl of Northumberland, angeführte Rebellion niedergeschlagen. In Wales und Schottland marschierten die Normannen wieder. An allen Fronten erwies sich Williams Kombination aus Diplomatie, Bestechung und Krieg als erfolgreich; ein Erzbischof von Lyon bezeichnete ihn als "den siegreichen König der Engländer".

Doch bei all seinem Erfolg als großzügiger Soldatenführer war Williams Ansehen beständig gering geblieben. Zu seinem Pech wurden die geschichtlichen Ereignisse zu dieser Zeit ausschließlich von Mönchen niedergeschrieben, und diese mochten ihn nicht; desgleichen empfand er keinen Respekt für sie. Als einmal ein Mönch zu ihm kam, um ihm von einem Traum zu berichten, in dem er Williams Tod vorausgesehen hatte, entließ er den Mönch mit den spottenden Worten: "Er ist ein Mönch, also träumt er natürlich für Geld." Nach dem Tode Lanfrancs 1089 schien sich Rufus aller Beschränkungen zu entledigen. Seriöse Kirchenmänner, an die konventionelle Pietät und die ernste Diskretion am Hof seines Vaters gewöhnt, waren entsetzt von der Fröhlichkeit und der Unmoral, die unter seinem Sohn vorherrschten. Da weder Mätressen noch uneheliche Kinder jemals im Zusammenhang mit William erwähnt werden, war er möglicherweise homosexuell. Er heiratete nicht. Er stand den Behauptungen und Ansprüchen der Religion skeptisch gegenüber und betrachtete die Kirche lediglich als reiche Körperschaft, die nur besteuert werden mußte. Er hatte niemals Eile, Bischöfe und Äbte zu ernennen, denn während die Ämter unbesetzt waren, konnte er sich selbst aus den Einkünften der Kirche bedienen. Bei der Verfolgung dieser gewinnbringenden Politik verließ sich Rufus auf die fähige Hilfe des wendigen weltlichen Kirchenmanns Ranulf Flambard, den er schließlich zum Bischof von Durham ernannte.

Hauptsächlich hat Williams Ruf darunter gelitten, daß er 1093, als er glaubte, sterben zu müssen, einen Heiligen zum Erzbischof von Canterbury ernannte (nachdem er den Sitz vier Jahre unbesetzt gelassen hatte). Was diese Ernennung aus Williams Sicht so katastrophal machte, war die Tatsache, daß sie zu einer Zeit erfolgte, als eine europäische Kirchenreformbewegung eine Atmosphäre erzeugte, in der Heilige nur zu wahrscheinlich zu politischen Radikalen wurden. Der neue Erzbischof war Anselm, ein gelehrter Mönch und früherer Abt von Bec. Als normannischer Abt hatte Anselm bereits einen Schwur abgelegt, Urban II. zu gehorchen. Doch in England wurden weder Urban II. noch sein Rivale Clemens III. als Papst anerkannt. In die Fußstapfen seines Vaters tretend, zog William es vor, sich nicht festzulegen, und er wurde ärgerlich, als Anselm ganz selbstverständlich Urban als den rechtmäßigen Papst bezeichnete. 1095 berief der König in Rockingham eine Ratsversammlung ein, um diese und andere Angelegenheiten, die zwischen ihm und Anselm zu Streitigkeiten geführt hatten, zu klären. Doch zur Konsternation aller rief Anselm Rom an mit der Begründung, als Erzbischof von Canterbury könne er nicht vor ein weltliches Gericht zitiert werden. Dies war zuviel für Rufus, der nun beschloß, sich des Erzbischofs zu entledigen. Er wollte sogar Urban anerkennen, wenn der Papst seinerseits Anselm absetzen würde. Ein päpstlicher Legat wurde nach England entsandt, und Urban wurde öffentlich als Papst nach kanonischem Recht bestätigt. Doch als dies erreicht war, rührte der Legat keinen Finger gegen Anselm. Über das Scheitern seiner Verschwörung enttäuscht, attackierte William den Erzbischof auch weiterhin und zeigte nie die geringste Sympathie für dessen Versuche, die Kirche zu reformieren. Schließlich konnte Anselm dies nicht länger ertragen. 1097 legte er von Dover ab und spielte damit dem König die Ländereien von Canterbury in die Hand.

Außer der Tatsache, daß der Streit mit Anselm Williams Ruf stark schädigte, ist er auch ein signifikantes Zeichen für die wachsende Bedeutung des Papsttums. Seit Jahrhunderten hatte niemand von Roms Bischöfen groß Notiz genommen. Doch jetzt, als Folge der (nach ihrem eifrigsten Verfechter, Papst Gregor VII. benannten) Gregorianischen Reform des 11. Jahrhunderts, begannen sie derart an Einfluß zu gewinnen, daß auch Rufus sie nicht mehr ganz ignorieren konnte. Kurzfristig gesehen hatte William II. jedoch von dem Streit profitiert. Im Jahr 1100 konnte er die Einkünfte von drei Bistümern und 12 Abteien sein Eigen nennen. Auch gab es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Anzeichen dafür, daß durch den Konflikt der Glaube der Menschen an die Macht des königlichen Zaubers an Glanz verloren hätte. Selbst Eadmer, Mönch aus Canterbury und Verfasser von "Leben des Anselm", schrieb, daß "der Wind und das Meer ihm zu gehorchen schienen. Wann immer er von England in die Normandie oder zurück fahren wollte, legte sich der Sturm - und die Stürme wüteten manchmal wild -, so daß seine Überfahrten immer von einer wunderbaren Stille begleitet wurden. In der Tat", so fuhr Eadmer fort, "war ihm im Krieg und in der Eroberung von Land so viel Erfolg beschieden, daß man meinen könnte, die ganze Welt habe ihm zugelächelt."

Am 2. August 1100, auf der Höhe seines Erfolges und voller Pläne für weitere Eroberungen, wurde er während der Jagd im New Forrest von einem Pfeil niedergestreckt. Es mag ein Unfall gewesen sein, vielleicht wurde er auch ermordet. Sein Leichnam wurde nach Winchester gebracht und in der Kathedrale direkt unter dem Hauptturm beigesetzt. Im folgenden Jahr stürzte der Turm ein - dennoch, so schrieb ein Mönch, "er wäre vielleicht auch eingestürzt, wenn William nicht dort begraben worden wäre."


William I.Nach obenHenry I.
ÜbersichtDie Normannen