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Die Angeviner
Richard I.
1189 - 1199
![]() © Royal Collection |
1169 huldigte er Ludwig VII. für Aquitanien und wurde mit Alice, der Tochter des französischen Königs, verlobt. Als zweiter Sohn würde er das mütterliche Erbe antreten, während das väterliche Erbe an seinen älteren Bruder gehen würde. Doch Heinrich II. war erst in seinen Dreißigern und hegte keinerlei Absicht, seinen Söhnen zu erlauben, selbst zu regieren. Frustriert zettelten Heinrich, Richard und Gottfried 1173 eine Rebellion an. Im Mai 1174 übernahm Richard das Kommando seines ersten bedeutenden Feldzugs, doch im Alter von sechzehn konnte er sich noch nicht mit seinem Vater messen und war bald gezwungen, um Vergebung zu bitten. In den nächsten Jahren war Richard damit beschäftigt, die widerspenstigen Barone Aquitaniens an die Kandare zu nehmen. Die instabile politische Lage und die zahlreichen Festungen auf Bergesrücken ließen Richard durch eine harte Schule der Kriegsführung gehen, doch er ging mit fliegenden Fahnen daraus hervor. 1183 starb der Junge König und ließ Richard als Thronerben zurück. Heinrich II. hoffte, daß Richard bereit sein würde, Aquitanien an Johann weitergeben, doch Richard hatte zu lange daran gearbeitet, Aquitanien gefügig zu machen, um es nun aufzugeben. Wann immer diese Spannungen in offene Feindseligkeiten ausarteten, konnte Richard auf die Unterstützung des neuen Königs von Frankreich, Philipp II., zählen. Im Sommer 1189 prügelten Richard und Philipp Heinrich II. in die Unterwerfung, und in diesem Moment der Niederlage starb der alte König. Am 3. September 1189 wurde Richard in Westminster gekrönt. Er blieb gerade lange genug in England, um die notwendigen finanziellen Arrangements für seinen Kreuzzug zu treffen. 1187, unter dem Eindruck der Nachricht von Saladins Vorrücken ins Heilige Land, hatte er das Kreuz genommen. Zwei Jahre lang hatten ihn Familienfehden davon abgehalten, auf Kreuzzug zu gehen, und er war nun begierig darauf abzureisen. Er und Philipp II. beschlossen, gemeinsam zu reisen und jegliche Eroberungen, die sie machen würden, gleichmäßig aufzuteilen. Im Sommer 1190 zogen sie los, doch Transportschwierigkeiten führten zu dem Entschluß, den kommenden Winter auf Sizilien zu verbringen. Verständlicherweise war Tankred, der neue König von Sizilien, ein wenig alarmiert durch die Aussicht, eine riesige Armee für Monate vor den Mauern von Messina lagern zu sehen, doch da sie Kreuzfahrer waren, konnte er sie schlecht abweisen. Das Verhältnis zwischen Tankred und Richard war nicht das beste. Richard dachte, daß Tankred nicht gerecht gewesen war in der Behandlung seiner Schwester Johanna, der Witwe des früheren Königs von Sizilien. Als zwischen den Kreuzfahrern und den Einwohnern von Messina Kämpfe ausbrachen, schritt Richard ein und nahm die Stadt im Sturm. Er hatte nun einen (counter), über den er mit Tankred verhandeln konnte, und er stellte dem glücklosen Sizilianer sehr profitable Bedingungen. Doch während der erzwungenen Untätigkeit in diesem Winter gerieten Richard und Philipp in Streit. Nach Philipps Meinung war es höchste Zeit, daß Richard seine Schwester, Alice von Frankreich, heiratete. Doch Richard, der möglicherweise glaubte, daß das Mädchen die Mätresse seines Vaters war, weigerte sich. Seine Mutter reiste daraufhin mit einer anderen Braut, Berengaria von Navarro, nach Sizilien, und Philipp segelte ärgerlich voraus ins Heilige Land. Als Richard Sizilien im April 1191 verließ, nahm er Berengaria und Johanna mit. Unglücklicherweise wurde das Schiff mit den beiden Prinzessinnen an Bord von der Hauptflotte getrennt und beinahe von dem griechischen Regenten von Zypern gekapert. Richard kam gerade noch rechtzeitig und wurde sodann in Kämpfe verwickelt, die weniger als einen Monat später damit endeten, daß sich ganz Zypern in seinen Händen befand. Militärisch gesehen war dies eine brilliante, erfolgreiche Operation; in strategischer Hinsicht sollte Zypern für künftige Generationen von Kreuzfahrern unschätzbaren Wert bekommen. Während Richard in Limassol weilte, fand seine Hochzeit mit Berengaria statt. Anfang Juni 1191 unternahm Richard die kurze Seereise von Zypern nach Akkon, wo eine muslimische Garnison seit August 1189 unter Belagerung stand. Die Armee außerhalb von Akkon war die einzige christliche Streitkraft von bedeutender Größe im ganzen Umkreis von Utremer, doch sie wurde von einer noch größeren muslimischen Armee eingeschlossen, die von dem berühmten Saladin angeführt wurde. Wenn es überhaupt noch Hoffnung geben würde, Jerusalem zu erreichen, würde dies zu allererst vom Ausgang der Belagerung von Akkon abhängen. Von Richards Ankunft ermutigt, machten die Belagerer mehr Druck, und einen Monat später fiel Akkon. Der Augenblick des Triumphs wurde jedoch überschattet von dem Streit um die Beute, der zwischen Richard und Herzog Leopold von Österreich ausbrach. Die Kreuzfahrer erlitten einen weiteren Rückschlag, als Philip sich zur Heimkehr entschloß. Richard befahl das Abschlachten der in Akkon gemachten Gefangenen und führte die Armee anschließend an der Küste entlang nach Jaffa. Auf dem ganzen Weg wurden sie von Saladins Truppen verfolgt, auch wenn es Richard gelang, den Druck ein wenig zu zurückzunehmen, als er einen Sieg in Arsuf errang. Von Jaffa aus war es möglich, vorsichtig ins Landesinnere nach Jerusalem vorzurücken. Doch weder zu diesem Zeitpunkt im Januar 1192 noch später im Juni 1192 gelang es den Kreuzfahrern, näher an die Heilige Stadt heranzukommen als bis ins etwa zwölf Meilen entfernte Beit Nuba. Richards Kreuzzug endete als er und Saladin im September 1192 einen dreijährigen Waffenstillstand schlossen. Da Jerusalem nicht zurückerobert worden war, war der Kreuzzug gescheitert. Andererseits hatte Richard sicher sein Möglichstes getan. Die Zurückeroberung des Küstenstreifens und die Klärung der chaotischen politischen Verhältnisse im Königreich Jerusalem waren fraglos sehr beachtliche militärische und diplomatische Erfolge. Beunruhigende Nachrichten von zuhause hatten Richard gezwungen, seinen Kreuzzug abzukürzen und so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren. Doch eine Kombination aus Schiffbruch und dem Verlangen, den Weg schnell hinter sich zu bringen, führte dazu, daß der König im Dezember 1192 in die Hände Leopolds von Österreich fiel. Mehr als ein Jahr lang blieb Richard in Gefangenschaft, während Könige und Fürsten um den Besitz seiner Person handelten. Schließlich gelang es den Regenten von England, ihn gegen ein Lösegeld von £ 100.000 zu befreien, doch nicht bevor sein verräterischer Bruder Johann sich mit König Philip verbündet hatte. In der Folge gingen einige der bedeutendsten Festungen entlang der Grenze zwischen der Normandie und Touraine verloren. Nach einem zweiten kurzen Besuch in England von März bis Mai 1194 widmete Richard die nächsten fünf Jahre der mühevollen Aufgabe, die Territorien zurückzugewinnen, die während seiner Gefangenschaft so schnell verloren gegangen waren. Bis 1199 hatte er dies erreicht, und mit der Errichtung von Festungen wie z.B. Château-Gaillard waren die Verteidigungslinien der Normandie besser als je zuvor. Richard hatte von Philip die Kontrolle zurückgewonnen, als er in einer seltsamen kleinen Schlacht bei der kleinen Burg Chalus im Limousin tödlich verwundet wurde. Er starb am 6. April 1199. Sein nächster männlicher Verwandter war sein Bruder Johann, denn seine Ehe mit Berengaria war nicht erfolgreich gewesen, so daß er keine legitimen Kinder hinterließ. Nach den Maßstäben seiner Zeit war er ein idealer König gewesen, an erster Stelle mit dem Kreuzzug und der Verteidigung der Territorien seiner Vorfahren beschäftigt. Aus diesem Grund verbrachte er nur wenige Monate seiner Regentschaft in England. Im Gegensatz zu seinem Vater und seinem jüngeren Bruder, hatte er kein Interesse an rechtlichen und finanziellen Aspekten einer Regierung. Bei seiner Rückkehr aus Deutschland fand er einen äußerst fähigen Minister, Hubert Walter, Justiziar und Erzbischof von Canterbury, einen Mann, der für die harmonische Zusammenarbeit von Kirche und Staat stand. In Hubert Walters Händen wurden die Inlandsgeschäfte des Reiches wirksam und profitabel geführt. Er war es, der die Mittel beschaffte, um Richards Lösegeld und auch seine Kriege zu bezahlen - und dies waren riesige Summen. Ein großzügiger Herrscher und geschickter Politiker, war Richard vor allem jedoch ein großer Soldat. Die ihm eigene Tapferkeit in der Schlacht war Inspiration für seine Männer. Am Ende kostete ihn die Gleichgültigkeit gegenüber seiner eigenen Sicherheit das Leben, doch war es gerade dieser Leichtsinn, der die Attribute legendären Heldentums einem Mann verlieh, der auch ein kompetenter König und vorsichtiger General war. |